Von der Saar an die Oder
26.01.2012
Von: Sabine Schmitt
Seit zweieinhalb Jahren ist Wolfgang Krautmacher als Pfarrer für die Evangelische Kirchengemeinde in Fürstenberg, einem Stadtteil von Eisenhüttenstadt, tätig. Davor war er im saarländischen Köllerbach im Dienst.

Wolfgang Krautmacher zeigte den Besuchern aus Saarlouis vom Kirchturm aus einige markante Punkte, wie das Werk in Eisenhüttenstadt.
Wolfgang Krautmacher ist seit 2008 Pfarrer in Fürstenberg an der Oder und führt Besuchern bei Gelegenheit auch die Orgel der Nikolaikirche vor. Fotos: Sabine Schmitt
Einen hervorragenden Ausblick auf die Saarlouiser Partnerstadt Eisenhüttenstadt, auf die Oder und hinüber nach Polen hat man vom Turm der evangelischen Nikolaikirche im Stadtteil Fürstenberg. Ein Besuch des Turms kann auch im entfernten Brandenburg auf typisch saarländische Weise arrangiert werden. „Ich kenne da jemanden, den hat es aus dem Saarland hierher verschlagen“, sagte Benedikt Loew, Leiter des Städtischen Museums Saarlouis, beim Besuch einer Delegation in Eisenhüttenstadt. Und kurzerhand stattete man Wolfgang Krautmacher, der als Pfarrer in Fürstenberg an der Oder tätig ist, einen Besuch ab.
Von Köllerbach nach Fürstenberg
Benedikt Loew kennt den Pfarrer von Fürstenberg aus der gemeinsamen Zeit in Köllerbach, als beide beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) aktiv waren. Gegen Ende der neunziger Jahre kam Krautmacher aus dem Köln-Bonner Raum nach Köllerbach, wo er – nach drei Jahren Probedienst - eine Pfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Kölln (Saar) übernahm. Nach über zehn Jahren Dienst an der Saar war es, ausgelöst durch Veränderungen im Stellenplan, Zeit für einen Wechsel. Krautmacher bewarb sich auf die Stelle in Fürstenberg an der Oder. Nach der Zusage hieß es für die ganze Familie Krautmacher „Koffer packen“. Ehefrau Karin und die beiden Söhne Jakob und Friedrich ließen das Saarland zurück und zogen in das beschauliche Örtchen Fürstenberg, das im Jahre 1286 erstmals Erwähnung in den Urkunden fand. Anfang der 60er Jahre wurde Fürstenberg ein Stadtteil von Eisenhüttenstadt.
Kirche mit bewegter Vergangenheit
Hier ist Pfarrer Krautmacher nun mit halber Stelle zuständig für 700 Gemeindemitglieder. Jeden Sonntag hält er die Predigt in der über 600 Jahre alten gotischen Hallenkirche. Das beeindruckende Gebäude mit den 11 Arkadenpfeilern und dem 40 Meter hohen Kirchturm ist umsäumt von stattlichen Kastanienbäumen. Über einen schmalen Kiesweg geleitet der Seelsorger die Besucher aus Saarlouis zum Eingangsportal der Kirche. Drinnen beeindrucken vor allem die hohen Arkadenbögen und das mit viel Liebe zum Detail gestaltete Interieur. Das Kirchengebäude hat eine bewegte Zeit hinter sich, erzählte Pfarrer Krautmacher. So fiel das Gebäude im Jahre 1603 dem großen Stadtbrand zum Opfer. Erst 50 Jahre später war der Turm wieder instand gesetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche erneut zerstört, diesmal bis auf die Umfassungsmauern. Fortan diente die Begräbniskapelle als Gemeindekirche. Erst kurz vor der Jahrtausendwende wurde der Wiederaufbau abgeschlossen. Der moderne Fensterzyklus mit Motiven vom Heiligen Nikolaus wurde im Jahre 2000 weitgehend vollendet. Zum Abschluss führte Wolfgang Krautmacher die Gäste aus Saarlouis zu seinem Lieblingsplatz, dem Kirchturm. Von hier kann man einen herrlichen Ausblick auf die gesamte Umgebung genießen.
Wolfgang Krautmacher lebt seit September 2009 an der Oder und ist sehr dankbar dafür, dass er mit seiner Familie dort „angekommen“ ist – lebendiger Beweis dafür ist das im April 2011 in Eisenhüttenstadt geborene Töchterchen Viktoria. Aus den Jahren im Saarland hat er, eigenem Bekunden nach, wertvolle Erfahrungen und viele gute Erinnerungen mitnehmen dürfen. Der Aufgabenbereich des Seelsorgers umfasst zurzeit auch die Friedensgemeinde in Eisenhüttenstadt, mit ihrem in der DDR-Zeit nach vielfältigen Bemühungen erbauten Gemeindezentrum: ein Gebäude, das es in der ehemals „ersten sozialistischen Stadt Deutschlands“ nach dem Willen der Staatsmacht eigentlich nicht hätte geben sollen. Heute bemerkenswerterweise ein Anziehungspunkt für die Evangelische Kirchengemeinde Saarlouis: die zur Hüttenstädter Stadtgemeinde ebenfalls eine Partnerschaft pflegt. In deren Rahmen wird im Herbst erneut saarländischer Besuch an der Oder erwartet.
Nach einem interessanten Nachmittag bedankten sich die Gäste aus Saarlouis für den herzlichen Empfang und beim nächsten Besuch in Eisenhüttenstadt gibt es bestimmt ein Wiedersehen.
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